Kiefer: Kieferknochen, Kieferprobleme, Probleme Kiefergelenk

Kiefer Mensch

Kaumuskulatur

Als Kaumuskulatur werden die aus vier an der Mandibula ansetzenden Skelettmuskeln als vier Muskelpaare bezeichnet, die den Unterkiefer in Richtung Oberkiefer bewegen und beim Kauakt massgeblich mitwirken.

Durch die Kaumuskulatur können die Zahnflächen der Zähne vom Oberkiefer und dem Unterkiefer beim Kauen gegeneinander bewegt werden und einen kräftigen Druck ausüben. Bei stressbedingten Kieferverspannungen wie durch das Zähnepressen fühlt sich die Kiefermuskulatur beim Mensch verspannt an, was sich auch im Nackenbereich, Rückenbereich und Gesichtsbereich bemerkbar machen kann.

Kaumuskulatur, Kaukraft, Kaufunktion, Kaufläche

Kieferschmerzen sowie Beschwerden der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke können durch strukturelle, funktionelle, biochemische und psychische Fehlregulationen der Muskelfunktion oder Kiefergelenkfunktion entstehen.

Die Kaumuskulatur und das  Kiefergelenk werden als funktionelle Einheit betrachtet.

Zur Kaumuskulatur werden jene vier Paare Muskeln vom Kopf zusammengefasst, die den Unterkiefer in Richtung Oberkiefer bewegen und damit für den Kieferschluss (Okklusion) zuständig sind. Durch die Kaumuskulatur ist das Zubeissen und Zermahlen der Nahrung ermöglich wie auch seitwärts gerichteter Gleitbewegungen. Menschen die grosse Zahnlücken haben und nur noch wenige Backenzähne besitzen, haben vielfach grosse Mühe um alles gut durchzukauen, denn zur Zerkleinerung der Nahrung muss mehr Muskelkraft aufwenden werden, als bei einem voll bezahnten Zahnpatienten, was zur Überbelastung und zu Abnutzungserscheinungen in den Kiefergelenken führen kann. Kiefergelenkbeschwerden können aber auch entstehen durch das nächtliche Zähneknirschen, denn dabei vergrössert sich die Kaumuskel durch das ständige Training und durch die Kraft, die nachts beim Knirschen auf die Zähne übertragen wird. Somit kann die Bruxomanie zu Zahnschäden sowie Schäden am Zahnhalteapparat und an Kiefergelenken führen und dadurch auch Kopfschmerzen verursachen.

Beim Menschen besteht die Kaumuskulatur aus vier, jeweils paarig angelegten Muskeln:

Musculus masseter: Kaumuskel für den Kieferschluss.
Musculus temporalis: Schläfenmuskel für den Kieferschluss sowie dem Zurückziehen vom Unterkiefer.
Musculus pterygoideus medialis: Innerer Flügelmuskel für den Kieferschluss.
Musculus pterygoideus lateralis: Äusserer Flügelmuskel, zum Öffnen vom Kiefer, Vorschieben vom Unterkiefer sowie für Mahlgleitbewegungen von rechts nach links oder umgekehrt

Kauen

Mit Kauen versteht man die Kaufunktion durch das Kausystem mit den Zähnen und der Kaumuskulatur.

Kauen ist ein mechanischer Vorgang, der zur Zerkleinerung der Nahrung und deren ersten enzymatischen Aufspaltung bzw. der Verdauung dient. Zuerst wird die Nahrung mit den Frontzähnen ergriffen, mit den Schneidezähnen abgebissen oder mit den Eckzähnen abgerissen, danach mit den kleineren Mahlzähnen bzw. Prämolaren das Zerkleinern wie auch danach mit den Molaren als grosse Seitenzähne. Kauen (Mastikation) ist das Zerkleinern der Nahrung mit dem ganzen Kausystem durch Bewegungen der Unterkieferzähne gegenüber den Oberkieferzähnen, das durch die Kaumuskelfunktion bzw. Kaumuskulatur durchgeführt werden kann. Die effektivste Kaubewegung ist die Bewegung der Unterkieferzahnreihe von offen-vorne-aussen nach geschlossen-hinten-innen. Beim Kauen sollten die Höcker möglichst steil in die Fissuren mit grosser Kaukraft eingreifen, ohne die Gleitbewegung bei Okklusion zu stören. Als Gleithindernis wird die Störstelle beim Seitwärtsschieben oder Vorwärtsschieben vom Unterkiefer bezeichnet. Das Kauen dient nicht nur zum Zerkleinern der Nahrung, denn in der Mundhöhle findet der erste Teil vom Verdauungsvorgang statt, indem der Nahrung beim Kauen Speichel zugesetzt wird.

Kausystem

Das Kausystem besteht aus Oberkiefer und Unterkiefer, der Kaumuskulatur, dem Nervensystem, den Zähnen mit ihren Kauflächen und dem Zahnbett.

Für die Zerkleinerung der Nahrung sind Zähne, Kiefergelenk und Kaumuskulatur in ihrer Funktion aufeinander abgestimmt. Die Kaumuskelfunktion ist ein Zusammenspiel mehrerer Kaumuskeln zur Bewegung vom Unterkiefer die durch Nerven gesteuert werden und einen Regelkreis bilden. Das Steuerzentrum koordiniert im Zentralnervensystem durch Nervenfühler bzw. Rezeptoren alle Bewegungen. Rezeptoren im Kiefergelenk registrieren die Lage vom Gelenkkopf, wo Muskelspindeln den Spannungszustand den Kaumuskeln melden. Nervenenden in der Mundschleimhaut orten die Lage und Grösse von Nahrungsteilen und Rezeptoren in der Wurzelhaut der Zahnwurzel melden Zahnkontakte. All diese Informationen werden zentral verarbeitet und in Steuerimpulse für die Kaumuskulatur umgesetzt. Mastikatorisches System bedeutet die Kaufunktion bzw. den Kauakt betreffend, denn Zähne, Kiefergelenk und Kaumuskulatur sind damit für die Zerkleinerung der Nahrung optimal aufeinander abgestimmt.

Kiefermuskulatur

Für Verspannungen der Kiefermuskulatur, Gesichtsmuskulatur, Nackenmuskulatur, Schulter oder Rückenmuskulatur gibt es viele verschiedene Ursachen, wobei meist Stress oder Veränderungen im Kiefergelenk durch das Zusammenspiel Symptome auslöst.
 
Für die Verspannung der Kiefermuskulatur sind Reizungen bestimmter Gesichtsnerven verantwortlich, denn nebst dem bekannten Trigeminus-Nerv können verschiedene Gesichtsnerven gereizt werden, sodass diese oft auch Ohrenschmerzen auslöst. Die meisten Beschwerden von Verspannungen gehen von den Kaumuskeln aus, die als Massetermuskeln an den Wangen bezeichnet werden wie auch den Temporalis-Muskeln an den Schläfen. Massetermuskeln und Temporalis-Muskeln werden angespannt, wenn man den Kiefer schliesst, die Zähne zubeisst oder zusammenpresst. Wenn man durch Stress und psychische Anspannung buchstäblich die Zähne zusammenbeisst, verkrampfen sich die Kiefermuskeln durch das nächtliche Zähneknirschen und Zähnepressen, sodass man Ohrenschmerzen und Ohrgeräusche erst am Morgen beim Aufwachen feststellt, denn "Verspannte Kaumuskeln" oder Kiefergelenkprobleme verursachen nicht selten auch Ohrenschmerzen.

Kaumuskulatur und Kiefergelenk

Die Kaumuskulatur wird benutzt zur Öffnung und Schliessung vom Unterkiefer und als Drehpunkt dient das Kiefergelenk.

Als Kaumuskulatur werden die Muskeln bezeichnet, die für das Öffnen und Schliessen verantwortlich sind und als Drehpunkt dient das Kiefergelenk, um das sich der Unterkiefer bewegt. Kaumuskeln (Laterotrusion und Protrusion) werden von je einer Kombination verschiedener sehr feinen Muskeln und Muskelanteilen bewirkt die im gesunden Zustand nur wenig Kräfte aufbringen müssen, denn die Kaumuskulatur und Kiefergelenk sind eine funktionelle Einheit. Zur Kaumuskulatur werden die vier Paare Muskeln vom Kopf zusammengefasst, die den Unterkiefer in Richtung Oberkiefer bewegen und damit für den Kieferschluss bzw. das Zubeissen und das Zermahlen der Nahrung ermöglichen sowie die seitwärts gerichteten Gleitbewegungen. Beim Ausüben von Parafunktionen entstehen beim Kauen massive Überlastungen, die zu grossen Schmerzen führen können. Schmerzen im Kieferbereich und an der Kaumuskulatur kann viele Ursachen haben, wobei die häufigste eine Überanstrengung der Kaumuskulatur ist. Die Kiefermuskulatur wird beim Zähneknirschen naturgemäss zu stark beanspruch, sodass die Folge davon Schmerzen der Kaumuskeln sind. Durch Bruxismus wie Zähneknirschen ist die Zahnabnutzung gross, sodass nicht nur die Zahnhartsubstanz, sondern auch die Kiefergelenke geschädigt werden können. Zahnfehlstellungen, Kieferfehlstellungen oder auch falsch gefertigter Zahnersatz können durch „falschen Aufbiss“ eine ständig schmerzende Kaumuskulatur zu Folge haben. Schmerzen an der Kaumuskulatur kann gravierende Kieferprobleme und Auswirkungen auf den ganzen Körper verursachen.

Kaufunktion und Kaumuskelfunktion

An der Kaufunktion für die Nahrungszerkleinerung und Einspeichelung vom Biss sind reflektorisch Zähne, Kaumuskulatur, Wangen, MundbodenGaumen und Zunge beteiligt.

Die Kaufunktion dient der Nahrungszerkleinerung, wo die Schneidezähne und Eckzähne zum Beissen und die Backenzähne zur Zerkleinerung dienen. Die Zähne können durch die Kaumuskelfunktion einen grossen Druck von ca. 80 kg pro Quadratzentimeter ausüben. Dieser Druck wird erzeugt durch die kräftigen Kaumuskeln, die an Oberkiefer und Unterkiefer ansetzen wie die Schläfenmuskel, Kaumuskel und die obere Zungenbeinmuskel. Muskelfunktionen dienen nicht nur der Kaufunktion sondern werden auch beim Sprechen mitbenutzt. Der komplexe Vorgang vom Kauen wird durch das Kiefergelenk und die Kontakte der Zähne im Wechselspiel gelenkt, denn die Kaumuskeln die daran beteiligt sind ermöglichen die Kaubewegung vom Unterkiefer durch das Zusammenbeissen sowie dem Seitwärtsgleiten beim "Zermahlen" mit den Backenzähnen. Eine Störung der Kaufunktion kann durch Zahnverlust oder Zahnabrieb entstehen, sodass ein gestörter, veränderter „falscher Biss“ vorhanden ist, was das Gleichgewicht wie auch den Reflexkreis durch die Fehlfunktionen stören, was zu Bissanomalien und Bissproblemen führt. Kaufunktions-Störungen wegen Verlust von Zahnhartsubstanz infolge Abrasion, das Bissprobleme bzw. eine Biss-Senkung und Kiefergelenksbeschwerden sowie Entzündungen der Mundwinkel zur Folge haben kann, können durch Kronen oder Teilkronen ausgeglichen werden, damit die Zähne in der Zahnreihe wieder voll funktionstüchtig sind. Bei einem Zahnlückengebiss kann die Zahnlücke durch eine festsitzende Zahnbrücke oder Zahnimplantate geschlossen werden.

Kaufunktion und Kausystem

Nebst dem Kauen hat das Kausystem noch weitere wichtige Funktionen wie Schlucken, Sprechen, Knirschen oder Zähnepressen und ist zuständig für den mimischen und ästhetischen Ausdruck.

Vielfach können die Ursachen für Beschwerden in einer Funktionsstörung vom Kausystem liegen, so beim Gebiss, den Kaumuskeln oder am Kiefergelenk. Wenn ein Teil von diesem Kausystem gestört ist, werden die anderen überbeansprucht bei dem Versuch, die Fehlfunktion auszugleichen, denn das Kausystem ist ein komplexes System wo auch Atmung beteiligt ist. Zahnpatienten die nur noch wenige Backenzähne haben, müssen zur Zerkleinerung der Nahrung sehr viel mehr Muskelkraft aufwenden, wodurch es zu Überbelastungen und zu Abnutzungserscheinungen in den Kiefergelenken kommen kann, denn durch die Zahnabnutzung wird auch das Kiefergelenk geschädigt. Zahnfehlstellungen oder auch Zahnersatz können eine ständig schmerzende Kaumuskulatur zu Folge haben. Über Muskeln und Nerven ist das Kausystem intensiv mit anderen Teilen vom Stützapparat und Bewegungsapparat verbunden bzw. alle Teile vom Stützapparat und Bewegungsapparat beeinflussen sich gegenseitig. Diese Zusammenhänge wirken in Form von Funktionsstörungen aufeinander und können Beschwerden und Erkrankungen in anderen Teilen vom Stützapparat und Bewegungsapparat auslösen oder umgekehrt können Störungen aus anderen Teilen Beschwerden im Kausystem bewirken.

Kauapparat

Der Kauapparat ist eingebettet in die Funktionssysteme vom Kopf-Hals-Schulter-Bereich.

Mit Kauapparat wird die Mundhöhle mit ihren angrenzenden Gewebeteile bezeichnet, die während dem Kauvorgang funktionell als Kauwerkzeug bedeutsam und funktionell beim Kauvorgang wirksam werden. Erkrankungen und Störungen können sich in den ganzen Bereichen auf die Funktion vom Kauapparat auswirken. Viele Krankheiten zeigen Symptome in der Mundhöhle an wie Blutkrankheiten oder Infektionen und umgekehrt wirken sich krankhafte Veränderungen der Mundhöhle oft auch auf den restlichen Körper aus. Die Ganzheitliche Zahnmedizin beschäftigt darum nicht nur mit Zähnen und Zahnfleisch, sondern berücksichtigt darüber hinaus auch angrenzende funktionelle Gebiete. Zum Zahnhalteapparat gehören alle Anteile, die zur Verankerung der Zähne beitragen und so bewirkt der Zahnhalteapparat auch die Dämpfung der auf die Zähne einwirkenden Kräfte, die beim festen Zubeissen entstehen.